4.1 Leistungsbereich Erziehung

Die nachfolgend beschriebenen Leistungen sind Standardleistungen und kommen grundsätzlich allen Kindern und Jugendlichen zugute.

4. 2 Grundleistungen

Die aufgelisteten Leistungen sind Grundleistungen und kommen allen Adressaten der Jugendwohngruppe zu Gute. Sie sind durch folgende Einzelpositionen gekennzeichnet:

Personalzeiten für die Betreuungen

Gemäß des Betreuungsschlüssels (4,5 Pädagogen für 10 Betreuungen) von 1 zu 2, verfügen wir über ein sehr engmaschiges Betreuungssystem und können somit auch in Krisen zeitnah Handeln und intervenieren. Die pädagogischen Kernzeiten verteilen sich wie folgt über die Woche / Tag. In der Zeit von 13:00 – 20:00 Uhr arbeiten zwei Fachkräfte in der Wohngruppe. Ergänzt wird die pädagogische Arbeit durch Fachkräfte, die im Rahmen des Bezugserziehersystems 1 zu 1 Unternehmungen realisieren. Dies gilt für Schulkontakte, Kontakte zu den Jugendämtern wie auch für die Freizeitgestaltung.

Gruppenreflexion

Einmal in der Woche findet eine Gruppensitzung statt, in der die aktuelle Gruppensituation und die bestehenden Dynamiken mit den Jugendlichen thematisiert werden. Des Weiteren werden anstehende Freizeitaktivitäten erörtert und beschlossen. Auch werden Verhaltensweisen im Rahmen der Gruppe angesprochen. Des Weiteren ist Raum für folgende Themen:

–         Ämterverteilung / Erledigung / Kontrolle etc.

–         Wochenendplanung / Wochenendfahrten

–         Speiseplanerstellung für die kommende Woche.

Die Vor- und Nachbereitung erfolgt durch die pädagogische Leitung. In der Regel wird die Gruppensitzung von einer pädagogischen Fachkraft geleitet. Nach Bedarf erfolgt Unterstützung durch die pädagogische Leitung oder den Träger. Die Dauer der Gruppensitzung ist auf 45 Minuten angesetzt, kann je nach Bedarf verlängert werden.

 

Freizeitbetreuung

Ein sehr wichtiges Strukturelement im Alltag der Woche sind die festen Angebote im Rahmen der Freizeitbetreuung. Derzeit gehen wir regelmäßig zum

–         Schwimmen

–         Badminton und

–         Bowlen

–         Kanufreizeiten in den Sommermonaten. Hierfür wurden sechs Kanus angeschafft und das benötigte Equipment, um naturnahe Projekte realisieren zu können. Lagerfeuer und Zelt gehören selbstverständlich dazu. Die Beteiligung der Eltern ist hier auch selbstverständlich und erwünscht.

Wichtig hierbei ist uns der sinnvolle Ausgleich zum schulischen Lernen und zum „chillen“, dem Abhängen, was bis zu einem gewissen Grad heute zur Jugendkultur gehört. Wir haben hierfür feste Tage und Zeiten in den Wochenplan eingetragen.  Dienstag und Donnerstag sind unsere Aktionstage, die durch die Wochenendgestaltung ergänzt wird.

 

Anleitung zur Selbstständigkeit

Neben der angeleiteten Freizeitgestaltung stellen wir den Kindern und Jugendlichen einen Zeitrahmen in der Woche zur Verfügung, über den sie frei, nach Absprache, verfügen und entscheiden können. Somit bieten sich die Möglichkeiten sich mit Freunden aus der Schule oder der Nachbarschaft zu treffen oder aber auch sich in Vereinen zu treffen (Fußball, Volleyball, Hockey, Badminton, Tischtennis oder die Veräußerung des Taschengeldes etc.,

 

Monatsgespräch

Flankierend zur kontinuierlichen Betreuung geht es darum, die eigene Reflektionsfähigkeit der Kinder- und Jugendlichen zu erhöhen. Ziel ist, eine intensive und konzentrierte Einbindung in den Verlauf und die Gestaltung der Betreuung. Die Monatsgespräche werden durch die Bezugserzieher und der päd. Leitung vorbereitet und ausgewertet.

 

Förderplan

Der Förderplan versteht sich als Instrument der Zielsetzung und der Zielerreichung und beinhaltet somit auch die Komponente der Evaluation. Der Förderplan soll einen Einblick in den aktuellen Sozialisationsverlauf geben. In fachlich begründeter Art und Weise können somit Veränderungen berücksichtigt werden. Im Kontext der Zielerreichung können des Weiteren methodisch Abläufe berücksichtigt, begründet und ergänzt werden.

Analog zum Hilfeplan gem. § 36 KJHG gilt es, die Erziehungsziele differenzierter zu benennen, zu begründen und abzuarbeiten. Eine Anwendung wird individuell in jedem Einzelfall geprüft.

 

Gemäß der Maßnahmen-Projektform ist eine Erziehungsplanung unter der Berücksichtigung der Vorerfahrungen des Adressaten und den unmittelbar betroffenen Personen im konkreten Abgleich mit den realen Gegebenheiten möglich.

Der Förderplan versteht sich als Fahrplan (exemplarisch), ausgehend von der Ist-Situation und dem Ziel, der Soll-Situation. Die Nachvollziehbarkeit der Arbeit durch 3. wird angestrebt.

 

Pädagogische Konferenz für alle Mitarbeiter  / Organisatorisch-administrative Konferenz mit Leitung

Einmal in der Woche setzen wir uns im Rahmen der Konferenz zusammen und sichten und erörtern die Gruppendynamik und die Situationen / Prozesse der einzelnen Kinder und Jugendlichen.  Die Tagesprotokolle, Sachstandsmitteilungen und die Monatsgespräche werden mit berücksichtigt. Des Weiteren findet ein Abgleich und ein Austausch der unterschiedlichen Wahrnehmungen der einzelnen Mitarbeiter über die Gruppe statt. Des Weiteren werden Termine abgesprochen, realisiert und koordiniert.

 

Enge Kooperation mit der JGH, Polizei und Justiz

Die enge Zusammenarbeit mit den oben genannten Institutionen und Personen ist uns sehr wichtig. Ziel ist auch hier, die gute und fortwährende Kommunikation und Informationsweitergabe um professionelles Handeln sichern zu können.

 

Unterstützung bei Rückführungen in die Ursprungsfamilien

Auch wenn die Betreuungen bei uns in der Wohngruppe als auf Dauer angelegte Prozesse zu bezeichnen sind, arbeiten wir an einer möglichen Rückführung der Kinder und Jugendlichen in die eigene Familie. Grundlage hierfür ist ein kontinuierlicher Beratungsprozess und die aktive Teilhabe an der Betreuung / Erziehung. Eine Konkretisierung erfolgt im Einzelfall im Rahmen der Hilfeplanfortschreibung.

 

Supervision / Coaching / Fachkollegiale-Beratung

Die Supervision erfolgt einmal im Monat. Sie ist für die pädagogischen Mitarbeiter, inklusive Gruppenleitung, verbindlich. Die Leitung wird einmal im Monat gecoacht. Beide Angebote werden extern organisiert. Im Einzelfall besteht das Angebot der fachkollegialen Beratung, die wir je nach Bedarf ins bestehende Team / Setting einbinden.

 

Fortbildung der Mitarbeiter

Es wird angestrebt, dass alle Mitarbeiter mindestens an einer Fortbildung im Jahr, zu aktuellen Themen einrichtungsbezogen teilnehmen. Selbstverständlich gehören auch längerandauernde Fortbildungsprogramme dazu, die dass Ziel haben, die Handlungsmomente der einzelnen Mitarbeiter und ihrer Professionalität zu erhöhen.

Ernährung / Haushaltsführung

Beide Begriffe stehen unter dem Handlungsmoment der Ökonomie und der Ökologie. Wir achten auf eine ausgeglichene Ernährung. In der Woche wird das Mittagessen durch eine Haushaltskraft zubereitet, die auch den Einkauf organisiert und realisiert. Am Wochenende haben die Kinder und Jugendlichen den Auftrag, mit Anleitung sich um die Essenszubereitung zu kümmern. Wir haben einen großen Garten für Gemüse und Kräuteranbau und eigene Hühner für die Eierproduktion.

4.2.1 Räumliche Gegebenheiten

Die Einrichtung befindet sich in Düshorn einem Ortsteil von Walsrode. Zum Autobahnanschluss Walsrode-Süd sind es 3 km. Im Ort gibt es Einkaufsmöglichkeiten, eine Grundschule und einen Kindergarten.

Grobraster:

Die Kinder- und Jugendhilfeeinrichtung-Wohngruppe alpha verfügt über 10 längerfristig angelegte Betreuungsplätze. Somit stehen 8 Einzelzimmer und 1 Doppelzimmer zur Verfügung, insgesamt 416,24 qm Nutzfläche. Die Zimmer haben eine Größe zwischen 14 und 18 Quadratmetern. In sechs der neun Zimmer befindet sich eine Waschgelegenheit. Des Weiteren stehen folgende Räumlichkeiten zur Nutzung bereit:

3 Duschbäder, + WC

2 WC´s, 1 Vollbad

1 Wohnzimmer, 1 Essraum,

1 Zimmer für die Nachtbereitschaft

1,5 Büros,

Werkstatt, 120 m² Nutzfläche und ca. 7150 m² Grundstück

Auf dem Gelände ist genug Platz um Freizeitaktivitäten anbieten und umsetzen zu können.

 

4.2.2 Personal

 

Tabelle

Ein paar Angaben zum unmittelbaren pädagogischen Betreuungssystem:

In der Kernbetreuungszeit von 13:00 Uhr 21:00 Uhr sind zwei Fachkräfte im Gruppendienst. Hinzu kommt noch die Gruppenleitung. Die Mitarbeiter arbeiten im Schichtrhythmus. Die Nachtbereitschaft wird durch das Team ebenfalls realisiert und abgedeckt, d.h. die pädagogischen Mitarbeiter übernehmen einzelne Nachtbereitschaften. Die Nachtbereitschaft beginnt um 21:00 Uhr und begleitet die Jugendlichen in die Nachtruhe und beendet ihren Dienst am nächsten Morgen um 08:00 Uhr wenn die Schule beginnt. Die Nachtbereitschaft funktioniert vor dem Hintergrund einer Rufbereitschaft, die durch den Träger und die pädagogische Leitung abgedeckt wird. Am Wochenende befindet sich grundsätzlich ein Mitarbeiter im Gruppendienst. Vor dem Hintergrund, dass wir bemüht sind ein 14 tägiges Heimfahrtwochenende für die Adressaten zu realisieren, halbiert sich die Gruppengröße, da wir den Heimfahrtturnus auf zwei Gruppen verteilt haben, so dass mit der restlichen Gruppe auch am Wochenende konzentriert gearbeitet werden kann. Diese regelmäßigen Beurlaubungen werden in enger Absprache mit allen Beteiligten besprochen und ausgewertet, mit dem Ziel, neu erlernte Verhaltensweisen im alten Umfeld umsetzen zu können. Der Wochenenddienst beginnt in der Regel am Sa um 12:00 Uhr und endet am Mo um 12:00 Uhr nach der wöchentlichen Konferenz.

Ergänzt und unterstützt wird diese Fachkraft bei Unternehmungen bei Bedarf durch die Gruppenleitung. Es arbeiten ausschließlich berufserfahrene Mitarbeiter beider Geschlechts im Gruppendienst.

 

4.2.3 Inhalte der gruppenübergreifenden Leistungen

Hilfeplanung / Falldokumentation

Im Vorfeld der Hilfeplanfortschreibung wird eine Falldokumentation durch die Einrichtung erstellt, die einen Einblick in den aktuellen Verlauf der Maßnahme gibt und als Arbeitsgrundlage für das Hilfeplangespräch genutzt werden kann. In die Falldokumentation fließen unsere Wahrnehmungen und Informationen, die wir im Tagesprotokoll, in der wöchentlichen Konferenz, in Monatsgesprächen und in der Sachstandsmitteilung (Aktenvermerk über wichtige Vorkommnisse) schriftlich fixieren. Die Zusammenführung der so vorliegenden Informationen, Erfahrungen und Wahrnehmungen werden in der Falldokumentation konkret zusammengefasst und wiedergegeben. Generell gilt auch bei uns folgendes Arbeitsprinzip: Die Erstellung des Hilfeplanes ist Aufgabe des Jugendamtes. Die Kinder- und Jugendhilfeeinrichtung alpha konzentriert sich auf die Vorbereitung zur Erstellung des Hilfeplanes, der Umsetzung und die Erziehungsplanung.

 

Schulische Begleitung und Orientierung

Wir stehen im engen Kontakt mit allen Bildungsanstalten in unserem Nahumfeld. Der Besuch der Schulveranstaltungen, Elternabende sind für uns selbstverständlich. Klassenfahrten und Ausflüge werden unseren Möglichkeiten entsprechend unterstützt.

Ziel ist eine gute Kooperation aufzubauen, um im Sinne der Adressaten schnell unterstützen zu können. Eine Grundschule befindet sich in unmittelbarer Nähe. Alle weiteren Bildungseinrichtungen sind mit den öffentlichen Verkehrsmitteln in Walsrode oder Fallingbostel zu erreichen.

 

Elternberatung/ Elternarbeit

Auch wenn wir die stationäre Unterbringung grundsätzlich als längerfristig zu bezeichnenden Prozess verstehen, streben wir einen engen Austausch mit den Eltern an, um Wochenendaufenthalte und / oder die möglichen Ferienaufenthalte in der Ursprungsfamilie zu ermöglichen. Dies bedarf einer guten Vorbereitung und Berücksichtigung der aktuell anstehenden pädagogischen Arbeitsansätze. Ziel ist weiterhin, die angelegten Strukturen aufrechtzuerhalten, auch wenn sich die räumlichen Gegebenheiten und die Personen verändern. Wir konzentrieren uns auf einen intensiven Beratungsprozess. In der Regel findet einmal im Monat ein intensives Elterngespräch statt. Ziel ist, die abgesprochenen Ziele zu überprüfen. Des Weiteren wollen wir die Eltern handlungsfähiger machen und bieten ihnen diesbezüglich die Möglichkeit, sich professionelles Handeln anzueignen. Dies erzielen wir durch einen regelmäßigen und kontinuierlichen Beratungsprozess aber auch durch konkretes Handeln in dem wir die Eltern mit in unseren Alltag mit einbeziehen. Dies nicht nur vor einem theoretischen Hintergrund sondern ergänzend durch eine aktive Teilnahme an unserem Gruppenleben. Wir wollen den pädagogischen Umgang nicht nur schildern, er soll auch von den Eltern erlebt werden. Auch kurzfristige Grillnachmittage und Freizeitaktionen sind möglich und die Teilnahme der Eltern ist erwünscht. Somit können  und sollen die Eltern an Gruppenunternehmungen teilnehmen. In Krisen werden die Kontakte erhöht und die Zeitintervalle verkürzt. Eine Zielerreichung kann nur in enger Zusammenarbeit gelingen. Aus diesem Grund ist es uns wichtig die Eltern soweit wie möglich mit einzubeziehen, wenn es um Entscheidungen geht, die ihr Kind betreffen. Auch wenn wir Entscheidungen vorbereiten können, haben wir das Ziel, die Eltern nicht aus ihrer Verantwortung zu entlassen.

 

 

4.3 Sonderaufwendungen im Einzelfall

 

Folgende Sonderaufwendungen werden nach dem Individualprinzip erbracht:

–         Taschengeld

–         Fahrkosten für Familienheimfahrten

–         Hausaufgabenbetreuung / Nachhilfe (extern)

 

Starthilfen und die daraus resultierenden Leistungen

–         Erstausstattung bei Aufnahme

–         Ersteinrichtung der Wohnung beim Wechsel in die ambulante Betreuung

–         Verselbständigungshilfen vor Beendigung der Maßnahme (z.B. Maklercourtage, Einrichtungskosten, Mietsicherheit)

–         Medizinisch notwendige Versorgung, die nicht von den Krankenkassen übernommen wird.

 

Bereitstellung und kurzfristig abrufbar:

–         externe Hausaufgabenhilfe

–         externe Drogenberatung (Hannover und Bremen)

–         externe Therapieformen (Rotenburg / Wümme, Lüneburg, Schleswig)

 

 

4.4 Individuelle Sonderleistungen

Der mögliche Einsatz von individuellen Sonderleistungen muss im Hilfeplangespräch erörtert und von allen Beteiligten (Sorgeberechtigten, zuständiges Jugendamt, Einrichtung) gleichermaßen befürwortet werden.

Die verabredeten Sonderleistungen können je nach Bedarf zeitnah organisiert werden und sind als Fachleistungsstunden / Personalstunden abzurechnen.